Past exhibitions
That Dreams of Awakening
Tanja Hemm komponiert Sound für den vorhandenen Raum und den sich darin bewegenden Menschen. So entsteht ein Dreiklang aus Sound, Raum und Mensch, ein kollaboratives Zusammenspiel. Am Beginn ihrer Arbeit steht immer die Erkundung des Raums durch sie selbst als Stellvertreter*in für die späteren Besucher*innen. Jeder Raum lässt Töne anders klingen. Mal wird der Klang zurückgeworfen, mal verstärkt oder weitergeleitet, mal verschluckt. Nicht nur die physikalischen Qualitäten machen einen Raum aus. Auch seine Geschichte und Funktion werden Teil der Komposition.
Nur, wie entwickelt man eine ortsbezogene Klanginstallation, wenn man pandemiebedingt nicht reisen kann? Geschichte und Funktion lassen sich aus der Ferne recherchieren, nicht aber wie der Raum an sich klingt. Nachdem alle Begegnungen virtuell über Zoom stattfanden, entschloss sich Tanja Hemm, den Raum via Zoom mit der Galeristin Lenka Tutschova als ihre Stellvertreterin zu begehen. Von ihr sozusagen ferngesteuert ging Lenka Tutschova im Raum auf und ab, spielte zugeschickte Probesounds ab, bis Tanja Hemm ein Gefühl für den Raum entwickelt hatte und mit der eigentlichen Komposition beginnen konnte. Für Tanja Hemm war diese Form der Bestandsaufnahme des Raums eine neue Erfahrung und eine besondere Herausforderung, da der Raumklang durch Zoom gegenüber dem Klang in natura verändert wird.
Der Raum: Eine kleine Wallfahrtskapelle aus dem 14. Jahrhundert, später barock umgestaltet. Wir stehen auf großen, schweren, hellgrauen Steinplatten zwischen roséfarben marmoriert bemalten Wänden mit vanillefarben marmoriert abgesetzten gliedernden architektonischen Elementen wie dem Gurtbogen hinter dem Altar. Auf dem schlichten Altar fällt der Blick auf die farbig gefasste Holzskulptur der Madonna mit dem Jesuskind. An den Seitenwänden gleich hinter dem Eingang sehen wir drei Grabsteine aus grauem Sandstein, auf denen uns die Verstorbenen in lebensgroßem Halbrelief gegenüber stehen. Unter der Kapelle liegen noch die Gebeine der einst dort begrabenen Menschen. Ihre Grabplatten sind nicht erhalten. Um die Kapelle herum ruhen die zahllosen Gebeine der auf dem ehemaligen Friedhof begrabenen Menschen.
München, 08.08.21, Dr. Birthe Blauth (www.bblauth.de)